Dienstag, 30. Dezember 2025

Fertig: Kleid aus der Elsa 12/1950!


Ich habe mal wieder ein Kleid zum wiederholten Male genäht, nämlich ein Modell aus Elsa Handarbeit und Wäsche 12/1950. Es war der erste Kleiderschnitt, den ich vor ungefähr 13 Jahren allein genäht habe, allerdings hatte sich das Kleid leider gar nicht bewährt; es passte nicht richtig, der Stoff war kratzig und die Farbe stand mir nicht. Aber ich hatte den Schnitt bereits vor fünf Jahren angepasst und mit dem richtigen Stoff ist eines meiner Lieblingskleider daraus entstanden.


Und weil ich den Schnitt so mag und noch einen weichen grauen Wollstoff (100% Schurwolle) im Vorrat hatte, habe ich das Kleid kurzerhand nochmal genäht. Den Stoff habe ich bei karstadt erstanden, ich hatte 2,5m und habe 24,97 Euro dafür gezahlt. Außerdem brauchte ich neben dem Garn einen Reißer, Schulterpolster, Haken und Öse für den vorderen Verschluss und etwas Kontraststoff sowie Einlage für die vordere Mitte. Und weil ich ein Hamster bin, hatte ich alles Notwendige zuhause. Insgesamt dürfte das Kleid also sehr großzügig gerechnet nicht mehr als 35 Euro gekostet haben.


Das Schnittmuster hält spannende Details bereit. Das Oberteil wird in der vorderen Mitte vollständig belegt und dann so umgeklappt, dass der Kragen doppelt gelegt ist und der Beleg keck herausblitzt. Außerdem sind Abnäher aus den Schultern sowie der Taille vorgesehen. Die Ärmel kriegen eine Manschette, die - ebenso wie die vordere Mitte - bestickt wird.



Ich habe meine Stickerei sehr unauffällig gehalten und ein dickeres schwarzes Garn genommen, das auf dem grauen Stoff nur wenig kontrastiert. Ich wollte ein zurückhaltendes Kleid, das ich gut bei offiziellen, insbesondere beruflichen Anlässen tragen kann, ohne mich modisch in den Vordergrund zu drängen.


Das Rockteil wird vorn in Falten gelegt, aber ist hinten sehr schlicht gehalten. Der Reißer wird in der linken Seite eingefügt. Auf einen Gürtel aus dem gleichen Stoff habe ich verzichtet, weil mir das doch zu eintönig gewesen wäre.


Erwartungsgemäß bin ich sehr zufrieden mit dem Kleid. Der weiche Stoff fällt etwas anders als die erste Version und neigt mehr zur Faltenbildung, aber dafür ist das Kleid auch anschmiegsamer und sehr angenehm zu tragen. Das kombinierfreude Grau kann außerdem je nach Laune mit jedweder Farbe an Schmuck, Jacken oder anderem Beiwerk kombiniert werden. Ich kann mir auch gut vorstellen, das Kleid nochmal mit einem anderen Rockteil zu nähen. Bis dahin reihe ich mich aber mit etwas Verspätung beim MeMadeMittwoch ein und schaue, was die anderen Damen sich zu Weihnachten - oder wie in meinem Falle zu Silvester - genäht haben.

Mittwoch, 6. August 2025

Fertig: Kostüm nach Schwabe der neue Schnitt 10/1956!


Passend zum Blazer, den ich bereits zeigte, habe ich nun aus den Resten noch einen geraden Rock genäht.


Auch dazu habe ich den Schnitt aus Schwabe Der neue Schnitt 10/1956 verwendet. Der Rock ist gerade geschnitten, hat einen seitlichen Reißer und einen einfachen geraden Bund.


Weil der Wollstoff etwas dünn ist, habe ich den Rock am Umschlag unten mit Vlieseline verstärkt. Dadurch gewinnt der Saum etwas Gewicht und hat lange einen scharfen Umbruch. Den Saum habe ich dann mit Blindstich befestigt.


Anders als im Schnittmuster vorgesehen habe ich keine Kellerfalten in der hinteren Mitte gemacht, weil ich nicht genug Stoff dafür übrig hatte. Stattdessen habe ich eine Dior-Falte gemacht.

Die Dior-Falte ist genau genommen ein Schlitz im Oberrock, aber auf dem Futterrock wird ein Stück vom Oberstoff angenäht und wenn der Schlitz sich beim Gehen öffnet, sieht man auf den Oberstoff und so entsteht der Eindruck, dass es sich um eine Falte handelt. Der Vorteil der Diorfalte liegt in der Bewegungsfreiheit und dem vergleichsweise geringem Stoffverbrauch.


Damit es aber wirklich den Eindruck einer Falte hat, müssen der Oberrock (links) und der Oberstoff auf dem Futterrock (rechts) an der hinteren Mitte gleich lang sein; während der Futterrock ja normalerweise mindestens zwei Zentimeter kürzer ist als der Oberrock. Um dies zu erreichen wird der Oberstoff auf dem Futterrock rund gearbeitet, also an seinen Kanten trifft er auf den Futtersaum und im Bereich der hinteren Mitte ist er dann so lang wie der Oberrock.

Wichtig ist, dass der Futterrock an den Seiten Schlitze erhält, damit er ebenfalls ausreichend Bewegungsfreiheit bietet und nicht ausreißt. Außerdem sollte der Schlitz im Oberrock gesichert werden.


Das Stück Oberstoff habe ich einfach großzügig bemessen, abgekettelt und dann auf den fertigen Futterrock gesteppt. Zur Dior-Falte hat schon Julia von Sewing Galaxy einen ausführlichen Beitrag mit allen Kniffen erstellt, den ich sehr empfehlen kann.


Ich bin sehr froh, dass es sich mit dem Rock - Dank der Dior-Falte - noch ausging. Der Rock ist mit allen einfarbigen Oberteilen in meinem Schrank gut zu kombinieren. Mit gemusterten Oberteilen wird mir der gestipselte Wollstoff des Rockes etwas zu wild.


Mit dem Ensemble aus Blazer und Rock bin ich erwartungsgemäß sehr glücklich und werde es bestimmt im Herbst oft und gern anziehen.

Sonntag, 20. Juli 2025

Hemdblusenkleid Sew Along - Finale

Heute ist Finale beim gemeinsamen Nähen eines Hemdblusenkleides von Manuela von Twill & Heftstich und Tina von Sie näht schon wieder... - vielen Dank an dieser Stelle für die Organisation!


Ich habe leider den letzten Zwischentermin vergessen, aber das mag auch daran liegen, dass das Kleid bereits kurz nach dem zweiten Zwischentermin fertig war - es ging mir einfach sehr gut und schnell von der Hand.


Ich habe als Grundlage den bereits mehrfach genähten Schnitt für meine Hemdblusen genommen. Dann habe ich an einer fertigen Bluse gemessen, wie viel Abstand zwischen Saum und Taille liegt und habe diesen Wert rundherum weggenommen. Normalerweise würde man sinnvollerweise von oben nach unten messen, aber weil ich eine Anpassung für die große Brust gemacht habe, wäre das Messen von oben viel komplizierter, weil zulaufend zur vorderen Mitte habe ich mehr Länge als an den Seiten oder am Rücken. Den Wert vom Saum aus zu messen, hat wunderbar geklappt und dort habe ich einfach den Rock vom Butterick 6380 angesetzt. In der vorderen Mitte habe ich für die Knopfleiste dem Rock einige Zentimeter zugegeben und diese ebenso wie an der Bluse mit einem Beleg verstürzt. Weiter unten, wo die Knopfleiste endet, habe ich dann beide Rocklagen mit der Maschine so aufeinandergesteppt, wie die Knopfleiste es vorgegeben hat.


Wo Oberteil und Rock nicht zufällig genau aufeinanderpassten, habe ich das Rockteil etwas eingehalten - das war gar kein Problem und fällt unter dem Gürtel eh nicht auf.

Ansonsten habe ich Kragen, Beleg, die selbstgemachten Manschetten und die Klappen an den Taschen, die ich einem anderen Kleid aus einem alten Heft entliehen habe, in einem dunkelblauen Kontraststoff gearbeitet - das Dunkelblau findet sich auch in dem kleinen Blümchenmuster des Baumwollstoffes wieder.


Gerade die Taschen sind sehr praktisch, denn sie sind richtig groß und dazu auch noch sehr hübsch.

Nach Miriams Hinweis habe ich auch alle Kanten nochmal abgesteppt - vielen Dank dafür! Nun liegen die Kanten immer schön ordentlich und nichts blitzt hervor. Ich musste zwar ständig die Garnfarbe wechseln, aber das war es auf jeden Fall wert.


Alles in allem überzeugt mich das Kleid aber an mir leider nicht. Es liegt ja nun seit drei Wochen fertig hier, aber angezogen habe ich es bislang nicht. Dabei passt und sitzt es eigentlich ziemlich gut, dennoch passt es irgendwie nicht zu mir. Ich kann gar nicht recht sagen, was das Problem ist und bin noch sehr unsicher, was ich nun damit mache. Vielleicht muss ich ihm einfach eine Chance geben oder einsehen, dass es ein Fehlschlag war.. ich weiß es noch nicht..


Dennoch bin ich zufrieden, dass ich meinen Plan aus der Hemdbluse ein Kleid zu machen nun endlich verwirklicht habe und er ja eigentlich auch gut geklappt hat. Vielleicht versuche ich es doch nochmal mit einem anderen Stoff..

Hier findet ihr alle anderen Hemdblusenkleider von den hoffentlich erfolgreicheren Mitnäherinnen.

Mittwoch, 2. Juli 2025

Fertig: Blazer nach Schwabe der neue Schnitt 10/1956!


Heute zeige ich meinen Blazer, den ich unter fachkundiger Anleitung genäht habe und der daher die richtigen Einlagen und Polster bekommen hat, an den richtigen Stellen gebügelt wurde und bei dem ich viel per Hand genäht habe.


Den verwendeten Schnitt aus Schwabe Der neue Schnitt 10/1956 habe ich schon abgewandelt genäht, aber bislang noch nicht in seiner Ursprungsform, obwohl mir gerade die rasanten Taschen sehr gut gefallen. Weil ich den Schnitt schon genäht hatte, war er bereits angepasst.


Ich will den Blazer als Übergangsjacke nutzen. Den Wollstoff habe ich bei bei Stoffe Gädtke in Hamburg gekauft. Er ist in beige und braun gehalten und hat bunte Stipsel, sodass er quasi zu allem passt. Das Futter habe ich unaufgeregt farblich passend gewählt.


Weil der Wollstoff etwas dünn für eine Jacke war, habe ich den Stoff zunächst komplett mit Einlage verstärkt, damit er guten Stand hat und lange hält. Dann habe ich wie üblich erstmal die Teilungsnähte am Oberteil genäht und dann ging es an die Verarbeitung der Schulterpartie und Ärmel. Hier habe ich einiges an Einlagen und Polster verwendet:


Der Rosshaarplack wird im Oberteil zwischen Schulter und Brust eingenäht und sorgt dafür, dass der Stoff gleichmäßig fällt; insbesondere beim Schlüsselbein könnte er sonst etwas einsacken. Weil ich eine große Größe nähe, habe ich aber einen eigenen Plack angefertigt und nicht den gezeigten verwendet. Der Plack wird an der Schulter nur durch ein aufbügelbares Band befestigt, aber nicht in der Schulternaht gefasst, ansonsten würde das steife Rosshaar vermeiden, dass die Schulternaht sich schön legt. In der Ärmelnaht kann das Plack mitgefasst werden, weil dort die Nahtzugabe ohnehin in den Ärmel zeigt und das Plack Sprungkraft gibt.

Den zweiteiligen Ärmel habe ich zusammengefügt und dabei gemäß Schnittmuster den Oberärmel etwas eingehalten. Die Wattierung habe ich auf der Nahtzugabe der Armkugel genäht. Sie sorgt dafür, dass die Rundung an der Schulter weich fällt. Anschließend habe ich mit zwei Einhaltereihen, also Nähte mit hoher Stichlänge sowohl auf der Naht wie auch daneben auf der Nahtzugabe, die Armkugel über einen Bügelbock eingehalten und mit viel Dampf in Form gebügelt. Weil ich zuhause keinen passenden Bügelbock hatte, habe ich dort mit dem Ärmelbügelbrett und einem Handtuch improvisiert. Wenn der Ärmel nicht mehr vom Finger rutscht, ist er gut eingehalten.


Neben der Wattierung fanden auch die Ärmelfische Platz im Ärmel, nämlich der Ärmelfisch aus leichtem Rosshaar vorn für Sprungkraft und der aus Wattierung hinten für ein leichtes Polster. Ich habe - hier nicht auf dem Foto - außerdem noch einen Ärmelfisch in der oberen Kugel (engl. sleeve head) eingefügt, damit der Ärmel ab dem Schulterpunkt nicht runtersackt. Dazu kommen dann noch die Schulterpolster.


Rosshaar habe ich auch beim unteren Saum verwendet und dort einen bereits gebügelten Schrägsteifen aus Rosshaar angenäht. Dabei trifft die Bügelkante genau die Saumkante, so ist die Saumkante schön scharf und knittert nicht. Außerdem wird der Saum und das Futter dann nicht direkt im Oberstoff festgenäht, sondern nur auf dem Rosshaarstreifen.


Das Futter habe ich dann zunächst nur im Oberteil eingenäht und dann ganz am Ende die Futterärmel per Hand am Armloch eingenäht.


Insgesamt habe ich sehr viel gelernt bei dem Blazer und meine Fähigkeiten verbessert, zum Beispiel zum ersten Mal Knopflöcher per Hand genäht. Meine wichtigsten Erkenntnisse sind übrigens 
  • Nahtzugaben an Armloch und Ärmeln geringer wählen (hier: 1cm), damit diese besser einzuhalten sind
  • Einlagen und Polster machen einen gehörigen Unterschied und jedes hat seine eigene Aufgabe
  • Bügeln formt den Stoff neben den Nähten und der Schnittführung und dazu sind Hilfsmittel wie Bügelböcke (oder eben Handtücher) notwendig
  • Ein Blazer braucht viel Zeit, Geduld und Handarbeit!



Ich bin sehr zufrieden mit dem Blazer und der Passform. Der Blazer war eindeutig bislang mein aufwendigstes Stück. Nicht alles hat auf Anhieb geklappt und ein oder zwei Kleinigkeiten sind sicherlich noch verbesserungsfähig - zum Beispiel würde ich nächstes Mal den Unterkragen etwas kleiner schneiden, die Schulter noch etwas verschmälern und auch der Sitz der hinteren Armkugel ist für meinen Geschmack noch zu unruhig. Das sind aber wirklich Kleinigkeiten, die außer mir wohl eh niemandem auffallen und vermutlich mir auch nicht mehr nach ein paar Mal tragen.


Seit ich den Blazer fertig habe, ist es leider zu warm dafür, aber ich freue mich schon auf den Herbst, wenn ich ihn oft tragen kann. Aus dem Stoffrest möchte ich außerdem wieder noch einen Rock nähen, sodass ich es als Kostüm tragen kann.


Ein paar weitere Details habe ich übrigens bei Instagram zusammengetragen [unter anderem auch ein Video vom Innenleben, wenn euch das näher interessiert] und wenn ihr Nachfragen habt, lasst es mich gern wissen!

Sonntag, 22. Juni 2025

Hemdblusenkleid Sew Along - Teil II

Es ist der zweite Termin beim gemeinsamen Nähen eines Hemdblusenkleides von Manuela von Twill & Heftstich und Tina von Sie näht schon wieder...

Eigentlich soll es um Probeteile und Anpassungen gehen, allerdings ist mein Schnitt bereits angepasst und es ging mir alles so gut von der Hand, dass ich schon ein halbfertiges Kleid präsentieren kann.


Es fehlen noch die Taschen, Knöpfe und der Saum sowie Bügeln und Versäuberungen. Auch der Übergang zwischen Knopfleiste und geschlossenem Rockteil ist noch nicht ganz ausgereift. Es ist also noch ein bisschen was zu tun, aber ich bin sehr gut im Rennen. Ich denke auch über ein zweites Kleid aus einem weicher fallenden Stoff nach, aber das ist vielleicht auch nur der aktuellen Hitze geschuldet.

Hier treffen wir uns heute mit den bisherigen Fortschritten.

Sonntag, 8. Juni 2025

Hemdblusenkleid Sew Along

Zum gemeinsamen Nähen eines Hemdblusenkleides rufen Manuela von Twill & Heftstich und Tina von Sie näht schon wieder... auf und weil ich längst mal aus meinem bereits mehrfach genähten Hemdblusenschnitt ein Kleid machen wollte, nutze ich die gute Gelegenheit!

Alles liegt bereit: ich habe bereits vor einiger Zeit eine kleingemusterte, mintfarbene Baumwolle gekauft, die Knöpfe sind aus dem Vorrat und am Freitag habe ich kurz entschlossen noch einen blauen Stoff als Ergänzung gekauft, denn ich möchte blaue Schuhe und Accessoires dazu tragen. Das Bild aus der Praktischen Mode zeigt, was ich ungefähr plane, nämlich ein ganz klassisches Hemdblusenkleid mit Kragen und Knopfleiste, kurzen Ärmeln und ein mäßig weites Rockteil, wobei ich auf Falten im Rock wohl verzichten werde.


Ich werde meinen altbewährten Hemdblusenschnitt nehmen, also brauche ich kaum Schnittmusteranpassungen machen und werde auch auf ein Probemodell verzichten. Die Schultern muss ich ein bisschen verkleinern und die Taille bestimmen, außerdem einen passenden Rockschnitt finden und mir überlegen, welche Art von Taschen ich möchte und ob ich eine Rückenpasse einbauen will.

Wer auch schon lange oder ganz spontan ein Hemdblusenkleid nähen will, kann hier mitmachen und in zwei Wochen berichten dann alle über ihre Fortschritte. Seid ihr dabei? Oder habt ihr bereits zu viele Hemdblusenkleider?

Mittwoch, 7. Mai 2025

Fertig: Kostüm der 1950er Jahre aus Wollstoff!


Endlich hat meine Kostümjacke einen passenden Rock bekommen! Die Jacke habe ich vor fast 10 Jahren genäht, hier findet ihr alle Details. Ich habe damals auch schon einen Rock aus den Resten herausgequetscht, aber der war einfach zu kurz und so wurde er nie ausgeführt. Irgendwie ergab sich, dass die Verkäuferin doch noch von dem Stoff übrig hatte, den ich sofort aufkaufte, aber erstmal zur Seite legte, weil die Jacke zwischenzeitlich etwas zu eng saß. Nun passt die Jacke aber wieder, also musste endlich der passende Rock her.


Genäht habe ich schließlich das Modell #117 aus der Burda 10/2020. Ich fand gut, dass der Rock einen einseitigen Schlitz hat, unten leicht eingestellt und im schrägen Fadenlauf geschnitten ist, dadurch fällt der Rock schmal, was ich zum Schößchen passend finde und gleichzeitig ist genug Bewegungsfreiheit vorhanden. Ich habe den Rock etwas vergrößert, musste dann aber nachträglich noch etwas Weite am Bund wegnehmen und habe zwei zusätzliche Abnäher vorn eingearbeitet.


Der Rock ist klassisch verarbeitet, also mit Futterrock, den ich am Reißer und am Schlitz mit Hand anstaffiert habe. Saum und Schlitz sind mit leichter Einlage beklebt. Insgesamt gab es keine besonderen Schwierigkeiten, obwohl ich die Erklärung zur Verarbeitung von Burda etwas mühsam fand, aber ich hatte in einem alten Buch noch eine gute Beschreibung für den einseitigen Schlitz und die Futterverarbeitung ud bin danach gegangen.


Der Stoff ist ein Wollstoff aus zweiter Hand, der sich gut verarbeiten lässt und genau richtig für kühlere Frühlingstage ist. Ein bisschen Stoff habe ich auch noch übrig.


Zusammen mit der Jacke mit dem selbstkonstruierten Kragen und Schößchen ergibt der Rock dann ein wunderbares Ensemble und ich freue mich sehr darüber!

Mittwoch, 5. März 2025

Fertig: Ein Kleid fast wie von Dior!

Heute möchte ich euch ein ganz besonderes Kleid zeigen, denn ich habe versucht, ein berühmtes Kleid von Dior nachzubilden: Virevolte (französisch für Drehung) aus der Herbst-/Winterkollektion von 1955.

Virevolte Dior 1955 selbstgenäht selfmade || beswingtesallerlei.de

Das Kleid wurde vor einigen Jahren mal von Dita von Teese getragen und seitdem wollte ich es gern nähen. Aber wie üblich gibt es für solche Kleider kein Schnittmuster und eines selbst zu erstellen, traute ich mir lange nicht zu. Nun aber wollte ich es ausprobieren.

Virevolte Dior 1955 selbstgenäht selfmade || beswingtesallerlei.de

Der erste Schritt, wenn man ein Kleidungsstück ziemlich oiginalgetreu nachnähen möchte, ist natürlich Recherche darüber, wie das Kleidungsstück aufgebaut ist. Ich wurde beim MET Museum fündig: Virevolte ist eigentlich ein Trois pièces (noch mehr französich), also ein dreiteiliges Kostüm aus Oberteil, Rock und Jacke.

Der Rock hat je zwei tiefe Kellerfalten vorn und hinten, deren ersten Zentimeter geschlossen werden, einen geraden, schmalen Bund, einen Abnäher in der vorderen Mitte, drei Abnäher in der hinteren Mitte und einen breiten Saum.
Das Oberteil ist vollgefüttert und geht eigentlich nur bis zur Taille; das darunter liegende Schößchen ist aus Futterstoff, damit an der Hüfte nur wenig Stoff aufeinander liegt. Das Oberteil hat angeschnittene kurze Ärmel mit einem Zwickel, einen ausladenden Kragen und eine Naht in der hinteren Mitte. Für eine bessere Passform hat es einen Taillenabnäher und einen Abnäher aus der Seitennaht und drei Knöpfe, wobei das Verschlussteil über die vordere Mitte hinaus bis zum Taillenabnäher läuft.
Die Jacke habe ich links liegen lassen, weil es mir eh um das Kleid ging und zudem schnell klar war, dass der Stoff dafür nicht reichen wird.

Virevolte Dior 1955 selbstgenäht selfmade || beswingtesallerlei.de

Ich habe mit dem Rock begonnen und ein sehr ähnliches Schnittmuster bei Burda gefunden (Modell 126 aus 06/2009). Ich habe gemessen, ordentlich Länge zugegeben und dann meinen Stoff zugeschnitten; das hat auch alles gepasst, aber durch die zusätzlichen Faltenteile lag so viel Stoff aufeinander, dass es mir zu üppig wurde. Ich habe schließlich die gesonderten Faltenteile weggelassen und nur tiefe Falten eingelegt; das Futter hat keine Falten bekommen, sondern besteht nur aus einem glockigen Rockteil. Den Abnäher vorn habe ich einfach freihändig abgenäht, hinten habe ich auf Abnäher verzichtet.

Außerdem habe ich den Reißer in die linke Naht gesetzt und in der rechten Naht eine Tasche eingesetzt; die Mühe, auch eine Nahttasche am Reißer einzusetzen, habe ich mir gespart. Aufgrund des ausladenden Rocks waren auch meine 3,5 Meter Stoff eher knapp und so konnte ich keinen breiten Saum machen, obwohl ich das empfehlen würde. Ein breiter Saum bietet mehr Spielraum bei der Länge, vermeidet ein Nach-Außen-Klappen des Saums und gibt dem Rock mehr Gewicht, sodass er schöner fällt.

Virevolte Dior 1955 selbstgenäht selfmade || beswingtesallerlei.de

Anschließend habe ich mir für das Oberteil aus einer alten Zeitschrift ein Kleid, das vom Schnitt her ähnlich war, ausgesucht und zunächst mal eine FBA (Full Bust Adjustment) und ein Probeteil gemacht. Nachdem das Probeteil wie gewünscht saß (links), habe ich es über die vordere Mitte laufend bis zum Taillenabnäher verlängert und anhand der Vorlage am Halsausschnitt ungefähr so eingeschnitten, wie die gewünschten Falten später laufen sollten (mittig), dabei habe ich darauf geachtet, dass die Einschnitte einerseits zur Stoffkante und andererseits in die Brustabnäher laufen. So haben sich die Brustabnäher verkleinert, als ich die Falten am Kragen aufgedreht habe (rechts).

Virevolte Dior 1955 selbstgenäht selfmade || beswingtesallerlei.de

Die Abnäher, die am Kragen entstanden sind, habe ich dann nicht als Abnäher abgenäht, sondern in Falten gelegt. In der Zeichnung habe ich unberücksichtigt gelassen, dass mein Oberteil angeschnittene Ärmel hat, aber ich denke das Prinzip ist trotzdem verständlich. Und wer sich das Aufdrehen des Schnittmusterteils in bewegten Bildern anschauen möchte, wird übrigens hier bei Instagram fündig.

Zudem habe ich einen Kragen konstruiert und der Länge nach so angepasst, dass die Enden zum einen unter einer Falte und zum anderen unter dem Verschlussteil liegen.

Geschlossen wird das Oberteil durch die drei Knöpfe in der vorderen Mitte und zwei versteckte Druckknöpfe, nämlich je einen an der Kante des überlappenden Oberteils oben direkt am Kragen und in der Taille. Und ich bin sehr begeistert, dass die Kante des überlappenden Oberteils so schön anliegt und kaum aufklappt.

Vermutlich werde ich aber zwischen Oberteil und Rock noch zwei Druckknöpfe anbringen, weil sich in Bewegung das Futterschößchen des Oberteils etwas aus dem Rock herausarbeitet; vielleicht ist es etwas zu taillenkurz geraten. Und ich werde am Vorderteil bei den Falten noch ein paar Handstiche machen, damit die Falten sich schön legen und der Stoff am Dekolleté nicht so unruhig wirkt.

Virevolte Dior 1955 selbstgenäht selfmade || beswingtesallerlei.de

Der Stoff ist übrigens ein grauer Wollmisch, laut Etikett "Denim Wool". Weil das Kleid kurzärmelig ist, habe ich extra keinen reinen Wollstoff genommen, denn ich werde das Kleid jetzt im Frühling und später im Herbst tragen. Ich habe den Stoff, zusammen mit dem Futterstoff von Neva'viscon und diversen anderen Stoffen, als Konvolut in den Kleinanzeigen zwei Dörfer weiter entdeckt und zu einem unverschämt günstigen Preis gekauft; insofern ist mein Virevolte ein echtes Schnäppchen.

Virevolte Dior 1955 selbstgenäht selfmade || beswingtesallerlei.de

Ich bin sehr stolz auf mein Kleid - die Schnittmusteranpassung hat im Wesentlichen so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe und ich finde, dass ich ziemlich dicht an Diors Virevolte herangekommen bin, oder was meint ihr? Dort, wo mein Kleid vom Original etwas abweicht, liegt es vor allem daran, dass ich mich dazu entschieden habe und das ist doch das Großartige beim Nähen, wenn man die Kleidungsstücke auch noch optimieren kann! Achja, und insbesondere finde ich super, dass ich den Rock auch zu anderen Oberteilen tragen kann, was ich auch schon fleißig getan habe!
Virevolte Dior 1955 selbstgenäht selfmade || beswingtesallerlei.de