Mittwoch, 3. Juni 2026

Fertig: Butterick 6380 - Kleid mit Herzausschnitt und Raffungen!

Bereits vor zwei Jahren habe ich Butterick 6380 von Gretchen "Gertie" Hirsch mit Herzausschnitt, Miederteilchen und Raffungen genäht und nun also die zweite Version.


Über's Pfingstwochenende waren wir auf dem Rock'n'Roll Weekender Walldorf und erst wenige Tage vorher, habe ich entschieden, das Kleid zu nähen. Aufgrund der Eile habe ich die Größenauswahl und Anpassungen vom ersten Kleid ohne Weiteres übernommen; unter anderem hatte ich den Ausschnitt angehoben, die Ärmel gekürzt, die Riegel am Ausschnitt und das Rockteil verlängert.


Hinsichtlich der Passform ist bei dem Schnitt weiterhin Luft nach oben - die Ärmel sitzen durch die Riegel einfach nicht ideal und ich habe auch vergessen, die Schulter noch etwas zu kürzen. Insbesondere lässt der Ausschnitt tiefe Einblicke zu, wenn man sich zB die Schuhe anzieht oder Ähnliches. Insgesamt also noch Verbesserungspotenzial.

Das Kleid ist bis auf die Ärmel gefüttert, das gibt dem Oberstoff etwas mehr Halt und sorgt für saubere Abschlüsse und ein geordnetes Inneres. Der Oberstoff ist eine altrosa Viskose mit süßem Blumenmuster, aber lasst euch davon nicht täuschen - der Stoff war die größte Herausforderung an dem Kleid!


Woher ich den Stoff habe, weiß ich nicht mehr, aber hoffentlich habe ich ihn günstig bekommen, denn er hat einige Fehler. An manchen Stellen ist das Muster schwächer - als wäre die Farbe im Drucker bald leer - und zudem hat der Stoff einige Flecken dunkleren Rosas sowie manche Löcher. Zum Glück konnte ich das Meiste umgehen oder es fällt am Kleid wegen des Musters nicht auf.


Auch in der Verarbeitung war der Stoff widerspenstig und hat sich ständig verzogen - selbst das einlagige Zuschneiden war äußerst mühsam und an diversen Stellen passten direkt nach dem Zuschnitt gleiche Längen nicht mehr aneinander. Glücklicherweise habe ich die Miederteilchen direkt mit Gewebeeinlage verstärkt, damit sich wenigstens dort nicht verziehen konnte.

Besonders anstrengend war es einen neuen Saum festzulegen, nachdem das Rockteil sich über Nacht zipfelig ausgehängt hatte, weil der Rockabrunder mit dem flatterigen Stoff Probleme hatte. Auch gegen das Nähen wehrte sich der Stoff entschieden - eigentlich habe ich gar keine Ahnung, wie es mir überhaupt gelungen ist, dieses Biest in Form zu bringen und sogar noch einen Reißer in der Seite einzusetzen.


Weil ich wusste, dass ich das Kleid zügig innerhalb weniger Tage fertig nähen werde, habe ich ausnahmsweise auch mal die Zeit mitgestoppt. Insgesamt habe ich rund 15,5 Stunden gebügelt, zugeschnitten, genäht, geflucht, getrennt, versäubert, gefüttert und gesteckt - angefühlt hat es sich nach mehr. Nicht eingerechnet ist die Zeit, die ich in der Bahn noch an dem Kleid gearbeitet habe und die ich jetzt noch investieren werde, denn ich muss noch das Futter am Reißer und an der Taille per Hand festnähen.

Und als wäre das alles nicht schon frustrierend genug, hat sich in der ersten Wäsche der Saum, den ich noch mitten in der Nacht vor dem Weekender bei gleichzeitigem Kofferpacken festgenäht hatte, an mehreren Stellen gelöst, weil die eingeschlagene Zugabe wohl nicht anständig in der Naht lag. Ich muss also den Saum nochmal aufmachen und neu feststeppen. Dieses Kleid raubt mir noch den letzten Nerv!


Aber ich liebe, liebe, liebe das fertige Kleid. Es schwingt, es flattert, es fließt [bei Instagram und Facebook findet ihr ein Video dazu] und selbst bei Hitze trägt es sich wundervoll. Ich liebe die Farbe und das Muster, die Raffungen und die Details. Ich finde es einfach wunderschön und freue mich jetzt schon darauf, es wieder anzuziehen.. also nachdem ich den Saum zum zweiten Mal genäht und sowieso das ganze Ding noch mehrfach verflucht habe..


Tja, und das Fazit? Das Nähen dieses Kleides war und ist wirklich kein Vergnügen, aber in das fertige Kleid bin ich sehr verliebt und das ist dann wohl der Preis. Im Moment bin ich vor allem froh, wenn es vorbei ist und ich dann ein hübsches Kleid mehr im Schrank habe!

Wie findet ihr das Kleid? Welches war euer frustrierendes Stück, das ihr am Ende aber sehr mochtet?


Mittwoch, 6. Mai 2026

Fertig: Kleid nach Schwabe der neue Schnitt 04/1952

Links ist eine alte Modellzeichnung eines Kleid und rechts eine Frau in diesem Kleid aus blauem Seersucker

Heute zeige ich ein Sommerkleid aus Schwabe der neue Schnitt von 04/1952.

Das Kleid hat ein Oberteil mit Teilungsnähten, überschnittenen Ärmeln und einem Herzausschnitt. Die stoffbezogenen Knöpfe am Oberteil sind nur Zierde; das Kleid wird durch einen Reißer in der Seite geschlossen. Ich habe eine Brustanpassung/Full Bust Adjustment für angeschnittene Ärmel gemacht, damit die Brust reinpasst.

Dazu kommt ein ausgestelltes Rockteil mit Falten und darinliegenden Taschen. Allerdings bin ich ausgerechnet mit den Taschen nicht ganz zufrieden, weil sie das Rockteil ein wenig verziehen und etwas zu tief liegen; das ist zwar praktisch, aber betont optisch die Hüfte.


Als Stoff habe ich einen nachtblauen dünnen Baumwollseersucker verwendet; dieser ist von Alles für Selbermacher. Seersucker bekommt durch unterschiedlich stark gespannte Kettfäden eine abwechselnd glatte und gewellte Struktur und dadurch ist er luftdurchlässig und auch im Sommer angenehm zu tragen. Zudem ist der Stoff dadurch wenig knitteranfällig und ich mag die Struktur auch einfach optisch sehr gern.


Weil der Seersucker aber auch etwas durchscheinend ist, musste ein Futter her. Ich habe aus einem Schnäppchen bei den Kleinanzeigen eine Menge Futterstoffe ergattert und unter anderem ein goldenes Futter von Neva'viscon, das sehr schön zu dem nachtblau des Kleides und meinem Hautton passt. Neva'viscon ist ein antistatisches Viskosefutter mit seidenmattem Glanz und zusammen mit Venezia meine erste Wahl bei Futterstoffen.


Und ich bin ganz glücklich wie gut der Gürtel vom Flohmarkt zum Kleid passt - das rotbraune Leder harmoniert wunderbar mit dem nachtblauen Stoff und gibt ihm so einen leichten Hauch von Western. Auch Schmuck und Schuhe sind aus zweiter Hand.

Insgesamt bin ich mit dem Kleid sehr zufrieden - es sieht hübsch aus, trägt sich sehr angenehm und vor allem liebe ich die Ausschnittform sehr. In dem Heft wird übrigens empfohlen, ein Gummiband in die Ecken des Ausschnittes zu fassen und über den Rücken zu führen, damit der Ausschnitt stets anliegt, aber darauf habe ich verzichtet.

Wie findet ihr das Kleid?

[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Montag, 6. April 2026

Fertig: Herrenhemd nach Simplicity 4760!


Es gibt Kleidungsstücke, die sich auf den ersten Blick nahtlos in eine bestehende Reihe einfügen – und bei genauerem Hinsehen doch eine eigene Geschichte erzählen. Dieses Herrenhemd gehört zweifellos dazu.

Entstanden ist es, wie so viele seiner Vorgänger, auf Basis des bewährten Schnittmusters Simplicity 4760, das sich über die Zeit als verlässliche Grundlage für klassische, gut tragbare Hemden etabliert hat. Klare Linien, durchdachte Details und eine solide Konstruktion machen den Schnitt zu einer konstanten Größe im Kleiderschrank des Gatten.


Neu ist in diesem Fall jedoch nicht der Schnitt, sondern die Ausführung: Der liebe Gatte selbst hat das Hemd genäht!

Mein Mann Martin und ich brennen beide sehr für unsere Hobbies - bei ihm das Angeln und in der Natursein und bei mir das Nähen und Handarbeiten. Im Winter aber, wenn es wie in diesem Jahr eisig kalt ist und die Schonzeit beim Angeln angefangen hat [in dieser Zeit werden bestimmte Fischarten nicht geangelt, damit sie sich in Ruhe vermehren können], ist es schwierig für passionierte Angler und Anglerinnen. Nähen kann man ganz unabhängig vom Wetter und nachdem ich meinem Mann im Dezember schon ein Hemd genäht hatte, meinte der Gatte, dass er auch Lust hätte, etwas für sich zu nähen. Und so hat er dieses Hemd selbst genäht.


Auch den Stoff hat der Gatte sich selbst ausgesucht. Verarbeitet wurde ein Woll-Seide-Gemisch aus dem Lieblingsstoffladen Gädtke Stoffe in Hamburg. Der Stoff ist weich, leicht fließend und besitzt einen dezenten Glanz, der sich erst im Licht vollständig entfaltet. Es treffen verschiedene Grautöne mit weißen Stipseln aufeinander. Der Stoff ließ sich ziemlich gut verarbeiten und trägt sich ganz fantastisch.


Gerade in Kombination mit einem klassischen Hemdschnitt zeigt sich hier ein reizvoller Kontrast. Die konstruktiven Elemente – Kragen, Knopfleiste, Brusttaschen mit Klappen – bringen die notwendige Stabilität und Form, während der Stoff für eine gewisse Leichtigkeit sorgt. Als Verschluss hat der Gatte sich für Perlmuttdruckknöpfe entschieden. Das Ergebnis ist ein Hemd, das sich stilistisch zwischen Alltag und gehobener Garderobe bewegt, ohne sich eindeutig festzulegen.


Ich finde es besonders bewundernswert mit welcher Leichtigkeit und Unerschrockenheit der liebe Gatte an das Hemd herangegangen ist. Statt sich zunächst an etwas Einfaches heranzutasten, fiel die Wahl direkt auf so ein anspruchsvolles Herrenhemd – noch dazu aus einem edlen Stoff. Zwar hat er in der Vergangenheit schonmal ein paar Nähte gemacht und konnte auch davon profitieren, dass ich den Schnitt quasi auswendig kenne, aber dennoch gehört schon eine gute Portion Mut dazu. Gerade weil ein Hemd in der Verarbeitung doch einige knifflige Stellen bereithält, ist es alles andere als selbstverständlich, sich ohne große Vorerfahrung daran zu wagen. Umso schöner war es zu sehen, mit wie viel Geduld und Ehrgeiz er sich Schritt für Schritt herangearbeitet hat - und auch direkt danach noch weitere Teile für sich genäht hat.


Und es hat sich absolut gelohnt - der Gatte hat nun ein wundervolles Hemd, welches sich nicht nur hervorragend in seinen Kleiderschrank einfügt und ihm super steht, sondern das er mit diesem "Das-habe-ich-selbstgemacht"-Stolz tragen kann.

Ist es ihm nicht großartig gelungen?

Dienstag, 10. Februar 2026

Fertig & Tutorial: Boxer Matthew aus der La Maison Victor 02/2019


Bei mir gibt es heute eine Herrenboxershorts aus der La Maison Victor.

Die La Maison Victor war eine belgische Nähzeitschrift, die regelmäßig moderne, gut illustrierte Schnittmuster für Bekleidung und Accessoires veröffentlichte. Die Zeitschrift wurde seit 2021 nicht mehr in deutscher Sprache angeboten und im Jahr 2023 vollständig eingestellt. Allerdings kann man eine sehr große Auswahl der Schnittmuster gratis bei Femmes d' Aujourd'hui herunterladen. Entweder ihr registriert euch auf der Seite oder - so aus dem Nähkästchen geplaudert - wenn man schnell genug auf der neuöffnenden Seite scrollt, kann man die PDF auch so schnell erwischen. Fast alle Schnittmuster sind sowohl in A4 als auch in A0 verfügbar. Die Anleitung ist meistens gesondert und leider nur in französisch, aber gut bebildert; wer ein bisschen Erfahrung beim Nähen hat oder die Texte durch einen vernünftigen Übersetzer laufen lässt, dürfte damit auch ohne Sprachkenntnisse gut auskommen. Von Pullovern, Blusen, Hosen und Kleidern über Badeanzug und Herrenmodelle bis hin zu Kinderkleidung ist alles dabei.

Ich habe mir die Boxer Matthew [und alle anderen Schnitte für Damen und Männer] heruntergeladen und direkt genäht. Die Boxer Matthew ist ein klassisches Unterwäsche-Schnittmuster – es hat geschwungene Seitennähte und ein etwas längeres Bein. Gedacht ist das Schnittmuster für dehnbaren Stoff wie Jersey mit oder ohne Elasthan oder Lycra und kommt mit sehr wenig Stoff, nämlich unter einem halben Meter, aus. Es ist also ideal für die Resteverwertung - hat man nicht genug von einem Stoff, dann lassen sich verschiedene Reststoffe kombinieren.

Allerdings sind einige Schritte beim Nähen trotz bebilderter Anleitung nicht ganz leicht nachzuvollziehen, daher möchte ich euch beim Nähen der etwas schwierigeren Stelle mitnehmen.

1. Schnittmuster, Zuschnitt und erste Nähte


Zunächst einmal steht die Größensuche an - eine Größentabelle ist bei den herunterladbaren Schnittmustern leider nicht dabei, aber ihr findet hier eine und solltet sie euch am besten mit den Schnittmustern abspeichern. Bei meinem Mann habe ich genau nach Tabelle genäht und die angegebene Größe kommt perfekt hin und sitzt einwandfrei.

Ihr braucht lediglich
  • 35-45cm dehnbaren Stoff,
  • weiches Gummiband
  • Schere, Nadel und Faden
Zugeschnitten werden zweimal das Vorderteil (A), viermal die Zwickelhälften (B) und einmal das hintere Hosenteil im Stoffbruch (C); eine Nahtzugabe von 1cm ist direkt auf dem Schnittmuster mitgezeichnet. Übernehmt unbedingt die Passzeichen, denn sie erleichtern das Zusammenstecken später erheblich; wobei ich die Passzeichen an den Beinsäumen nicht übertragen habe, sondern dort einfach am Schluss 2cm umgeschlagen habe. An den kleinen Zahlen könnte ihr sehen, welche Punkte aufeinandertreffen.
Je zwei Zwickelhälften werden direkt an der vorderen Mitte (v.M.) zusammengenäht - durch die Rundung entsteht genug Platz für alles, was da so reingehört beim Manne. Ich habe direkt mit der Overlock zusammengenäht und die Mittelnähte danach so gebügelt, dass die Nahtzugaben in die gleiche Richtung zeigen; vernäht zeigen die Nahtzugaben dann in unterschiedliche Richtungen, sodass nicht zu viele Stofflagen aufeinanderliegen.

2. Annähen der Zwickel


Nun wird eines der beiden Vorderteil zwischen den beiden Zwickelteilen eingefasst. Dazu wird das vordere Zwickelteil rechts auf rechts und das hintere Zwickelteil rechts auf links auf die Rundung des Vorderteils gesteckt; dabei die Passzeichen (1) beachten.


Zusammengenäht sollte das dann so aussehen - jedes Zwickelteil ist von rechts zu sehen und die Naht zum Vorderteil ist zwischen beiden Teilen eingefasst.


Nun kommt die etwas friemelige Stelle, denn nun wird das andere Vorderteil auf die gleiche Weise zwischen die beiden Zwickelteile gefasst. Dazu fangt ihr unten im Schritt an und legt wieder die Kanten so zusammen, dass das vordere Zwickelteil rechts auf rechts und das hintere Zwickelteil rechts auf links an der Rundung des anderen Vorderteil liegt. Damit das gut gelingt müssen die beiden Vorderteile zwischen den Zwickelteilen eingerollt werde - manche kennen das bestimmt als Burrito-Methode von Schulterpassen oder Futtereinsätzen.


Wichtig ist, dass beiden Zwickelkanten richtig zueinander liegen, die Passzeichen (1) sich treffen und das Vorderteil faltenfrei liegt. Und so sollte das dann gesteckt aussehen - oben schauen die Beine der beiden Vorderteile heraus, damit der Burrito nicht dicker wird als notwendig.


Nach dem Nähen werden dann die Beine aus dem Zwickel gezogen und damit habt ihr die schwierigste Stelle schon geschafft.


3. Das übrige Nähen


Der Rest der Hose ist unkompliziert und schnell erklärt: es werden die Schrittnaht zwischen Vorder- und Hinterteil genäht (2) und die geschwungenen Seitennähte (3). Ich habe die Nahtzugaben an diesen Nähten noch nach hinten gebügelt und festgesteppt - zum einen betont das die ungewöhnliche Linienführung und zum anderen entlastet es Stoff und Naht. Anschließend werden die Säume versäubert, umgeschlagen und mit einem dehnbaren Stich festgesteppt. Zuletzt wird noch ein Gummiband in gewünschter Länge zusammengenäht und gedehnt am oberen Rand festgesteppt.


4. Fazit


Ich bin insgesamt sehr angetan von der Boxershorts - sie sieht gut aus und gefällt meinem Mann von der Passform sehr. Zudem ist sie leicht zu nähen und bietet sich wirklich gut für Resteverwertung und ein schnelles Nähprojekt an. Dass es das Schnittmuster außerdem kostenlos erhältlich und in vielen Größen gibt, ist ein zusätzlicher Pluspunkt.


Ich kann das Schnittmuster also uneingeschränkt weiterempfehlen. Habt ihr das Schnittmuster vielleicht auch schon genäht oder werdet es nun tun? Findet ihr die kleine Bilderanleitung dabei hilfreich oder fehlt euch etwas? Lasst es mich gern wissen!

Mittwoch, 4. Februar 2026

Fertig: Kleid nach Praktische Mode 02/1957


Wie vermutlich die meisten Selbermacherinnen habe ich eine Kiste mit unfertigen Objekten, gern als UFOs bezeichnet. Dort verschwinden angefangene Stücke, die noch während des Erstellens doch nicht passen, nicht gefallen oder aus anderen Gründen gerade nicht beendet werden können. Eines dieser unfertigen Objekte war ein Kleid aus der Praktischen Mode 02/1957.


Der Schnitt ist ein schmales Kleid mit Prinzessnähte, die in den Taschen auf Hüfthöhe enden. Die Taschenränder sowie der Ausschnitt sind mit Steppnähten verziert und der Kragen wird angekräuselt.


Das Kleid war zunächst zu eng und wurde daher auf später verschoben. Inzwischen passte es zumindest von der Weite her, allerdings musste ich diverse Anpassungen beim Verlauf der Nähte vornehmen, damit das Kleid zu meiner Figur passt. Dadurch verzieht sich zum Beispiel der Kragen nun ein wenig.

Schon zuvor hatte ich eine Anpassung für die große Brust gemacht. Ich hätte auch die Abnäher nochmals anpassen wollen, aber sie ließen sich nicht mehr rückstandslos auftrennen, also müssen sie jetzt so bleiben.


Leider war nicht nur die Größe und Passform etwas schwierig, sondern auch der Stoff ist nicht ideal. Soweit ich mich erinnere handelte es sich um einen Rest Baumwollstoff, der die gleiche Farbe wie ein Reststück Stretchsamt hatte und ich fand die Kombination von beiden Stoff äußerst attraktiv. Der Baumwollstoff ist allerdings empfindlich und außerdem knitteranfällig. Hingegen war der Stretchsamt überraschend einfach zu verarbeiten und ließ sich sogar vorsichtig bügeln.


Hinten wird das Rockteil in Falten gelegt, damit ausreichend Bewegungsfreiheit gegeben ist. Den Reißer in der Seite hatte ich ursprünglich nicht gebraucht, aber durch die inzwischen vorgenommenen Anpassungen auf die Figur wäre er schon sinnvoll gewesen; allerdings ist es mir die Mühe, nachträglich noch einen Reißer einzusetzen, nicht wert und so muss ich mich ein wenig hineinwinden.


Obwohl eigentlich nicht vorgesehen, war mir außerdem noch ein Gürtel sehr wichtig, damit die Taille optisch betont wird. Hier hat der Stretchsamt gerade so noch gereicht. Eine goldene Gürtelschnalle vom Flohmarkt hat damit auch endlich ihre Bestimmung gefunden; sie wird mit Haken geschlossen und ist daher perfekt für den dehnbaren Samt.


Das Fazit ist nach alledem durchwachsen. Einmal mehr stelle ich fest, dass Etuikleider mir einfach nicht so gut stehen und zudem ist Passform trotz der vielen Änderungen nicht optimal. Gleichzeitig bin ich immernoch sehr verliebt in die Kombination der zwei Stoffarten in gleicher Farbe und in die Gürtelschnalle. Außerdem bin ich ganz zufrieden, dass das Kleid nun doch fertiggestellt ist und getragen werden kann, wobei sich der Stoff noch bewähren muss. Im schlimmsten Falle ist wenigstens die Restekiste etwas leerer.. Habt ihr auch eine Restekiste? Wie findet ihr das Kleid?

[verlinkt beim MeMadeMittwoch]

Dienstag, 30. Dezember 2025

Fertig: Kleid aus der Elsa 12/1950!


Ich habe mal wieder ein Kleid zum wiederholten Male genäht, nämlich ein Modell aus Elsa Handarbeit und Wäsche 12/1950. Es war der erste Kleiderschnitt, den ich vor ungefähr 13 Jahren allein genäht habe, allerdings hatte sich das Kleid leider gar nicht bewährt; es passte nicht richtig, der Stoff war kratzig und die Farbe stand mir nicht. Aber ich hatte den Schnitt bereits vor fünf Jahren angepasst und mit dem richtigen Stoff ist eines meiner Lieblingskleider daraus entstanden.


Und weil ich den Schnitt so mag und noch einen weichen grauen Wollstoff (100% Schurwolle) im Vorrat hatte, habe ich das Kleid kurzerhand nochmal genäht. Den Stoff habe ich bei karstadt erstanden, ich hatte 2,5m und habe 24,97 Euro dafür gezahlt. Außerdem brauchte ich neben dem Garn einen Reißer, Schulterpolster, Haken und Öse für den vorderen Verschluss und etwas Kontraststoff sowie Einlage für die vordere Mitte. Und weil ich ein Hamster bin, hatte ich alles Notwendige zuhause. Insgesamt dürfte das Kleid also sehr großzügig gerechnet nicht mehr als 35 Euro gekostet haben.


Das Schnittmuster hält spannende Details bereit. Das Oberteil wird in der vorderen Mitte vollständig belegt und dann so umgeklappt, dass der Kragen doppelt gelegt ist und der Beleg keck herausblitzt. Außerdem sind Abnäher aus den Schultern sowie der Taille vorgesehen. Die Ärmel kriegen eine Manschette, die - ebenso wie die vordere Mitte - bestickt wird.



Ich habe meine Stickerei sehr unauffällig gehalten und ein dickeres schwarzes Garn genommen, das auf dem grauen Stoff nur wenig kontrastiert. Ich wollte ein zurückhaltendes Kleid, das ich gut bei offiziellen, insbesondere beruflichen Anlässen tragen kann, ohne mich modisch in den Vordergrund zu drängen.


Das Rockteil wird vorn in Falten gelegt, aber ist hinten sehr schlicht gehalten. Der Reißer wird in der linken Seite eingefügt. Auf einen Gürtel aus dem gleichen Stoff habe ich verzichtet, weil mir das doch zu eintönig gewesen wäre.


Erwartungsgemäß bin ich sehr zufrieden mit dem Kleid. Der weiche Stoff fällt etwas anders als die erste Version und neigt mehr zur Faltenbildung, aber dafür ist das Kleid auch anschmiegsamer und sehr angenehm zu tragen. Das kombinierfreude Grau kann außerdem je nach Laune mit jedweder Farbe an Schmuck, Jacken oder anderem Beiwerk kombiniert werden. Ich kann mir auch gut vorstellen, das Kleid nochmal mit einem anderen Rockteil zu nähen. Bis dahin reihe ich mich aber mit etwas Verspätung beim MeMadeMittwoch ein und schaue, was die anderen Damen sich zu Weihnachten - oder wie in meinem Falle zu Silvester - genäht haben.

Mittwoch, 6. August 2025

Fertig: Kostüm nach Schwabe der neue Schnitt 10/1956!


Passend zum Blazer, den ich bereits zeigte, habe ich nun aus den Resten noch einen geraden Rock genäht.


Auch dazu habe ich den Schnitt aus Schwabe Der neue Schnitt 10/1956 verwendet. Der Rock ist gerade geschnitten, hat einen seitlichen Reißer und einen einfachen geraden Bund.


Weil der Wollstoff etwas dünn ist, habe ich den Rock am Umschlag unten mit Vlieseline verstärkt. Dadurch gewinnt der Saum etwas Gewicht und hat lange einen scharfen Umbruch. Den Saum habe ich dann mit Blindstich befestigt.


Anders als im Schnittmuster vorgesehen habe ich keine Kellerfalten in der hinteren Mitte gemacht, weil ich nicht genug Stoff dafür übrig hatte. Stattdessen habe ich eine Dior-Falte gemacht.

Die Dior-Falte ist genau genommen ein Schlitz im Oberrock, aber auf dem Futterrock wird ein Stück vom Oberstoff angenäht und wenn der Schlitz sich beim Gehen öffnet, sieht man auf den Oberstoff und so entsteht der Eindruck, dass es sich um eine Falte handelt. Der Vorteil der Diorfalte liegt in der Bewegungsfreiheit und dem vergleichsweise geringem Stoffverbrauch.


Damit es aber wirklich den Eindruck einer Falte hat, müssen der Oberrock (links) und der Oberstoff auf dem Futterrock (rechts) an der hinteren Mitte gleich lang sein; während der Futterrock ja normalerweise mindestens zwei Zentimeter kürzer ist als der Oberrock. Um dies zu erreichen wird der Oberstoff auf dem Futterrock rund gearbeitet, also an seinen Kanten trifft er auf den Futtersaum und im Bereich der hinteren Mitte ist er dann so lang wie der Oberrock.

Wichtig ist, dass der Futterrock an den Seiten Schlitze erhält, damit er ebenfalls ausreichend Bewegungsfreiheit bietet und nicht ausreißt. Außerdem sollte der Schlitz im Oberrock gesichert werden.


Das Stück Oberstoff habe ich einfach großzügig bemessen, abgekettelt und dann auf den fertigen Futterrock gesteppt. Zur Dior-Falte hat schon Julia von Sewing Galaxy einen ausführlichen Beitrag mit allen Kniffen erstellt, den ich sehr empfehlen kann.


Ich bin sehr froh, dass es sich mit dem Rock - Dank der Dior-Falte - noch ausging. Der Rock ist mit allen einfarbigen Oberteilen in meinem Schrank gut zu kombinieren. Mit gemusterten Oberteilen wird mir der gestipselte Wollstoff des Rockes etwas zu wild.


Mit dem Ensemble aus Blazer und Rock bin ich erwartungsgemäß sehr glücklich und werde es bestimmt im Herbst oft und gern anziehen.